Psychologisches Gutachten
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Dr. Dr. Franklin A. Oberlaender - Psychologischer Gutachter mit den Spezialgebieten: Gutachter in familiengerichtlichen Prozessen, GlaubwA1rdigkeitsgutachten
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Dr. Dr. Franklin A. Oberlaender

Psychologischer Gutachter mit den Spezialgebieten: Gutachter in familiengerichtlichen Prozessen, Glaubwürdigkeitsgut-
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Oberlaender,
F.A. (1994): Fall und Kommentar, Die zerrissene Familie Herzberg: ein
misslungener Assimilationsversuch und seine Folgen uber drei
Generationen. Zur familiaren Beziehungsdynamik stigmatisierter
protestantischer Deutscher jüdischer Herkunft und ihrer nach
1945 in Westdeutschland geborenen Kinder, in: System Familie -
Forschung und Therapie, 7: 2-15.


Abstract

Die 'Nürnberger Gesetze' und das ihnen zugrundeliegende Gedankengut wandelten nicht nur die Struktur jüdischer Identität von einer Religion oder ethno-religiösen Gruppe in eine 'Rasse'. Vielmehr bezog dieser Rassegedanke auch solche Personen mit ein, die bis dato keinen kulturellen, religiösen, ethnischen oder historischen Bezug zum jüdischen Gemeinwesen unterhielten oder empfanden. Es handelte sich hierbei um Menschen, die allen gesellschaftlichen Schichten entstammten und sich politisch als Teil des deutschen 'main-streams' empfanden. Durch die rassistische Neudefinition des Begriffes 'Jude' wurden diese Menschen plötzlich eingereiht in die Gruppe der Verfolgten jüdischen Bekenntnisses, obwohl sie sich religiös, zum Teil auch ideologisch den Verfolgern näher glaubten als den Verfolgten (Oberlaender, 1985c).

Zwischen 350.000 und 400.000 Menschen1 waren allein im Deutschen Reich in seinen Grenzen von 1933 von den NS-Rassegesetzen betroffen, ohne jüdischen Glaubens zu sein. Mehrheitlich waren diese Menschen dem Verfolgungsgrad nach 'Mischlinge 1.Grades', d.h. Personen, die selbst christlich waren und zwei jüdische Großeltern hatten. Dem religiösen Bekenntnis nach war die überwältigende Mehrheit aller nicht-jüdischen 'Nichtarier' Protestanten, der Rest war römisch-katholischen Glaubens oder konfessionslos (Oberlaender, 1990).

In der Forschungsarbeit ging ich der Frage nach, wie christliche Deutsche jüdischer Herkunft durch die Stigmatisierung und Verfolgung ihr Verhältnis zu identitätsstiftenden Gruppen wie Protestantismus, Katholizismus, Deutschtum und Judentum korrigierten. Wie reagierten sie auf die Haltung ihrer Kirche, wie war die Familiendynamik, wo sind Unterschiede auszumachen zu anderen Verfolgtengruppen? Lebensgeschichtliche Stegreifinterviews (Schütze, 1984) wurden mit direkt Betroffenen und ihren Kindern durchgeführt und texthermeneutisch ausgewertet (Oevermann, 1991), um mögliche Folgen bedrohter Identität für die stigmatisierte und folgende Generation untersuchen zu können (Oberlaender 1992a, 1992b).

Der familiendynamische Aspekt in einer generationsübergreifenden Perspektive soll im Zentrum dieser Veröffentlichung stehen. Die 'Nichtarier' sind trotz ihrer historisch-politischen Irrelevanz als Paradigma interessant, weil sich an ihnen Prozesse des Identitätsmanagements exemplarisch untersuchen lassen. Aufgrund der Besonderheit der künstlich geschaffenen ahistorischen Gruppe der christlichen Deutschen, die mit dem label 'Nichtarier' versehen wurden, verweist die Identitätsproblematik dieser Gruppe als Symptom auf den Zustand deutscher Identität während der Stigmaphase und womöglich bis in die Gegenwart hinein (Oberlaender, 1992c).

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